13Mrz/10Off

Leistungsdiagnostik – was kann sie leisten ?

Die Rad- oder Lauf-Fachzeitschriften sind voll davon. Das Thema Leistungsdiagnostik. Nichts wird so skeptisch diskutiert, analysiert und kritisiert wie die Leistungsdiagnostik.

Meine Meinung: Ein Leistungsdiagnostik, die eine evtl. geringe Fehlerquote (wir sprechen hier ggf. von Messfehlern zwischen 2-4%...) aufweist ist zur Traininssteuerung immer noch besser geeignet, als auf ein subjektives Gefühl zu hören, welches sich ein Sportler in seiner "ach so langen Sportlerkarriere" angeblich angeeignet hat. Sehr lustig finde ich auch immer die Aussagen, die ich sehr oft höre ".... ich habe früher mal "Leistungssport" gemacht, ich weiß wo meine Werte liegen......." Laktatwerte zur Trainingssteuerung kann man nicht "erfühlen"...."erahnen" - oder sollte ich besser "erraten" sagen?

Gerade die sogenannten "alten Hasen" musste ich in meiner Praxis oft von ihren verstaubten Trainingsmethoden - im wahrsten Sinne des Wortes: "herunterholen" - denn war doch das subjektive Training oft geprägt von sehr hohen Umfängen in einer sehr hohen Intensität. Die Grundlagenausdauer oder die Regeneration wurde/wird oft sehr gerne etwas defizitär umgesetzt.

Jeder Mensch, der sich ein bißchen mit Sport beschäftigt und mehr oder weniger ambitioniert betreibt, sollte sich früher oder später mit einer Leistungsdiagnostik auseinandersetzen. Gelten doch die Ergebnisse hieraus als Indikator für ein sinnvolles Training. Der berufstätige Durchschnittssportler, der während des Jahres gerne mal einen Halbmarathon absolviert oder gar einen Jedermann Triathlon finishen möchte, hat in seiner Freizeit doch nur limitierte Zeit zur Verfügung, in ein entsprechendes Training zu intensivieren. Deshalb sollte gerade diese Zeit sinnvoll und qualitativ hochwertig eingesetzt werden.

Denn qualitativ hochwertig heißt nicht immer nur "höher"..."schneller"..."weiter"..., sondern auch die Erkenntnis, wann ich dem Körper eine sinnvolle Regeneration zukommen lassen kann und muss.
Auch diesen Parameter erhalte ich über die Leistungsdiagnostik oder wie im Vorwort dieser Homepage bereits zitiert: Mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen sorgsam umgehen.

Nun ist es naturgemäß so, dass die Befürworter einer preferierten Methode, andere Methoden nicht unbedingt stark reden. Ich sehe das Ganze eher praktisch neutral. Habe ich kein sportmedizinisches Labor in erreichbarer Nähe, nutze ich die Möglichkeiten, zeit- und kostenseffzient ein plausibles und authentisches Ergebnis zu erhalten.

Während ich zu meiner Zeit als aktiver Duathlet noch zwischen 250,-- und 300,-- DM für eine Leistungsdiagnostik investieren und dafür hunderte Kilometer in Kauf nehmen musste, bis ich zu einem adäquaten Leistungsdiagnostiker gefunden habe, hat der Sportler von heute fast in jedem Fitness Studio die Möglichkeit, eine qualitativ hochwertige Leistungsdiagnostik für um die 75,-- EUR zu absolvieren. Auch das muss ich bei einer kritischen Gegenüberstellung der Methodik mit in meine Überlegung einbeziehen - nicht jeder von uns ist gewillt und in der Lage, gleich den nächsten Olympiastützpunkt anzusteuern....

Das Problem in der Praxis ist auch nicht die technische Durchführung der Stufentests. Die Stärke und Schwäche liegt in der Qualifikation des durchführenden Diagnostikers, die erhaltenen Werte entspechend richtig zu interpretieren und in einen bedarfsorientierten Trainingsplan einarbeiten zu können. Ein Erfolg oder Misserfolg steht oft im Verhältnis zur Fachkompetenz des Diagnostikers!

Das Ziel aller Methodiken ist jdeoch eindeutig definiert: Ich möchte eine Aussage über die Ausdauer-Leistungsfähigkeit erhalten!

Die Leistungsdiagnostik kann mir helfen, die Stärken und Schwächen eines Sportlers herauszufinden und das Training so zu steuern, dass es dem individuellen Bedürfnissdes Sportlers entspricht. Selbstverständlich gibt es verschieden Möglichkeiten mit all ihren Nach- und Vorteilen. Die beiden gängigsten möchte ich nachfolgend einmal gegenüberstellen und eine kleine Vorschau in die nicht all zu ferne Zukunft geben.

Der Laktatstufentest

Es handelt sich hier wohl um die klassischste Form der Diagnostik. Seit Anfang der 70-er Jahre wird das Laktat als Indikator für die Ausdauer-Leistungsfähigkeit herangezogen. Laktat - das Salz der Milchsäure - ist ein Stoffwechselzwischenprodukt und entsteht bei körperlicher Aktivität und Ausschluss von Sauerstoff. Man spricht hier auch von Sauerstoffdefizit oder Sauerstoffschuld. Für den Abbau von Laktat ist Sauerstoff aber notwendig. Ist die Aktivität allerdings so hoch, dass der Sauerstoff nicht mehr ausreicht, um das Stoffwechselprodukt abzubauen, steigt der Blutlaktatspiegel immer weiter. Laktat ist aber nicht nur ein Stoffwechselzwischen- oder Endprodukt, sondern auch ein wichtiges Kohlenhydrat, welches immerhin mit 10% an der Energieaufnahme des Herzens mitbeteiligt ist. Trotzdem ist Laktat auch ein Indikator von leistungslimitierenden Faktoren. Weiterhin lässt sich von der Schwelle, an der die Laktatproduktion höher ist als die Laktatelimination, sehr gut der verantwortliche Energielieferant ableiten.

Zum Test: Zunächst wird der Ruhelaktatwert einhergehend mit der entsprechenden Herzfrequenz ermittelt und bildet die Basis für die Auswertung. Auf dem Laufband oder einem Fahrradergometer wird die Leistung und damit die Belastung bei meinem Probanden erhöht. Laktatbildung in einer entsprechenden Leistungszone dauert - je nach Stoffwechselsituation meines Probanden - zwischen drei und sechs Minuten. Ein gutes Mittelmaß sollte ausreichend Aufschluss geben. Am Ende einer jeden Belastungsstufe wird ein Tropfen Kapilarblut entnommen (Ohläppchen oder Fingerkuppe) und mit einem speziellen Testgerät ausgewertet.

11475_0

Der Stufentest muss nicht zwingendermaßen bis zu subjektiven Ausbelastung des Teilnehmers durchgeführt werden. Bspw. zur Ermittlung oder Bestimmung der IANS (individuelle-aerobe-anaerobe Schwelle). Die gewonnenen Ergebnisse werden mit Hilfe einer speziellen Software ausgewertet und von dem Diagnostiker analysiert und interpretiert. Man erhält hier aufschlussreiche Informationen über die Leistungsfähigkeit des Probanden und kann individuelle Trainingspläne erstellen. Ein sauberes Arbeiten während des Tests ist unabdingbar. Die Messgeräte sollten hochwertig sein, damit keine Fehlmessungen das Gesamtergebnis verfälschen können. Eine Wiederholung von allen hier angesprochenen Tests sollten immer unter den gleichen Bedingungen stattfinden, damit eine Vergleichbarkeit auch authentisch ist.

Nachteil? Kritiker unterstellen der Laktatdiagnostik eine hohe Fehlerquelle von über 10%.... Ich kann diese Kritik weder bestätigen noch von der Hand weisen. Aufgrund der immer moderneren und modifizierteren Software und den immer höheren Anforderungen der Messgeräte auf dem Niveau von medizinischen Laboren, stehe ich der Laktatleistungsdiagnostik ausgesprochen positiv gegenüber und wende sie auch nachhaltig an. Meine Meinung ist ebenfalls: Blut lügt nicht !

Die Spiroergometrie

Der Spiro sagt man einen detaillierteren Blick hinter die Stoffwechselkulissen nach. Hier konzentriert sich die Messung vor allem auf die Atemfunktion (Atemfrequenz, Atemtiefe) und den Gasaustausch von Sauerstoff und Kohlendioxid, weiterhin spielt die Ventilation eine große Rolle. Wie dem Laktat oben, ist hier vor allem das unter sportlicher Aktivtät ausgestossene Kohlendioxid ein wichtiger Parameter. Aus diesem Austausch der Atemgase lassen sich definieren, in welchem Leistungsbereich Fette als Energielieferant zur Verfügung steht und ab welcher Leistungszone der Kohlenhydratstoffwechsel (Energielieferant für hohe Dauerbelastungen) einsetzt.

Da gerade im Ausdauersport die Energiegewinnung aus dem Fettstoffwechsel generiert werden soll, benötigt man genaue Daten zur Steuerung des Trainings.

Zum Test: Ähnlich wie beim Laktatstufentest, wird mit Laufband oder Fahrradergometer die Leistung sukzessive erhöht. Parallel wird die entsprechende Herzfrequenz zur Leistung ermittelt. Mit einer Atemmaske, welche im Gesicht fixiert wird, werden die Atemgase bei der Belastung ermittelt und aufgezeichnet. Ausserdem kann die maximale Sauerstoffaufnahme (VO2 max) ermittelt werden, die ebenfalls ein wichtiger Parameter zur Bestimmung der Leistung ist. Die Auswertung erfolgt wiederum über spezielle Software.

Der Unterschied zwischen den beiden Testvarianten ist der, dass die Spiro herangezogen wird um die ventilatorische Schwelle (Leistung gegenübergestellt zum Anstieg der Atemaktivität) zu ermitteln und die Laktatdiagnostik um die IANS individuelle-aerobe-anaerobe-Schwelle zu definieren. Eine Gegenüberstellung ist so etwas wie der Vergleich von Äpfel und Birnen. Optimal: Eine Kombination von beiden Testvarianten!

Nachteil? Spiroergometrien sind von der Apparatur her aufwendig, deshalb bieten nicht viele Sportärzte so etwas an. Die Möglichkeit das überall machen zu können ist u.U. gering. Es gibt mittlerweile auch mobile Geräte für den Einsatz in Sportstudios oder für Personal Trainer und Diagnostiker, diese sind allerdings nicht ganz preiswert.

Die Zukunft ?

Die sogenannte STAPS Methode ermittelt nicht nur den momentanen Leistungszustand des Sportlers, sondern ermittelt wie diese Leistung zustandekommt. Es handelt sich um eine Kombination von aeroben und anearoben Testverfahren, die "rechnerisch" in einem Computermodell den Energiestoffwechsel bestimmen. Laktatproduktion und -elimination werden separat "errechnet" und interpretiert. Fett- und Kohlenhydratverbrauch werden im Rahmen einer Sprioergometrie ermittelt.

Nachteil? Diese Methode ist nur beim STAPS Insitut in Köln durchführbar, über die Kosten ist mir aktuell nichts bekannt. Kontakt: www.staps-online.com
Interessant und erwähnenswert: STAPS verfügt über eine Menge hochkarätiger Sportler als Referenz.

veröffentlicht unter: Laktat & Praxis Kommentare
Kommentare (0) Trackbacks (0)

Die Kommentarfunktion ist hier derzeit deaktiviert.

Trackbacks are disabled.